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| Hersteller Portraits | Hervé Lampert –dedon

Vom Praktikanten zum Firmenchef

Sein erstes Büro lag In einer Hütte ohne Fenster. Innerhalb weniger Jahre schuf Hervé Lampert, 30, mit seinem Team eine hoch moderne Möbelfabrik mit knapp 3.200 Mitarbeitern. Hier ein Stück »seelfmademan«.


»Meine Philosophie, eine Fabrik zu leiten, orientiert sich daran, wie ein Familienvater zu handeln. Ich meine damit: herzlich sein, zuhören können, Respekt zeigen, mit Lob nicht sparen. Und darüber hinaus ganz viele Gespräche unter vier Augen führen, auch wenn das inzwischen nicht mehr ganz so einfach ist. Denn wir beschäftigen heute fast 3.200 Menschen.

Qualität heißt das oberste Ziel, das predigen mein Bruder Vince und ich jeden Tag. Qualität ist der Schlüssel zu unserem Erfolg. Wir wollen die hochwertigsten Möbel der Welt bauen, ein großes Ziel. Wir sind froh, dass wir ein Team um uns haben, in dem jeder nach diesem Ziel strebt. Jedes Jahr loben wir den Preis für Mitarbeiter des Jahres aus, das ist das Größte für die Belegschaft. Es gibt Momente, wenn ich darüber spreche, wie die Fabrik speziell in den letzten drei Jahren gewachsen ist, in denen kann ich selber kaum glauben, was wir alles geschafft und geschaffen haben. Gerade am Anfang war es ein echtes
Abenteuer.

Aber der Reihe nach.
Ich bin auf einem Bauernhof in Frankreich aufgewachsen, nicht weit entfernt von Straßburg. Die Geschichte, wie ich Bobby kennen lernte, ist ein wenig kompliziert: Ich arbeitete als Praktikant im Betrieb seiner Mutter, wollte eigentlich in die USA, um zu studieren, als er mich fragte, ob ich nicht mit ihm nach Lüneburg kommen wolle. Na gut, wir probieren das mal aus, dachte ich mir.

DEDON war zu diesem Zeitpunkt eine ganz kleine Firma, mit einer Hand voll Angestellten, Freunden, Familienmitgliedern und manchmal auch Nachbarn. Jeder war irgendwie für alles zuständig, wir haben die Lastwagen selber beladen und rund um unser Lager grasten Kühe. Die Firma verkaufte damals nur die Faser und kaum Möbel, was auch daran lag, dass wir gewaltige Probleme mit unserem Lieferanten in Thailand hatten. Die Qualität, die er uns lieferte, war schlimm - und wir konnten uns nicht mal richtig beschweren, als kleiner Kunde. Es war klar, dass wir selber eine Produktion aufbauen mussten, um Erfolg zu haben. Unsere Wahl fiel auf die Philippinen, weil die Menschen überaus freundlich sind und sehr viele Englisch sprechen - und vor allem, weil Flechten gerade auf der Insel Cebu eine alte Tradition ist. In einer Art Hütte ohne Fenster fingen wir an, mit zehn Leuten.

Eines Tages kamen wir zur Fabrik - und der Sicherheitsdienst wollte uns nicht hereinlassen. Unsere Geschäftspartner versuchten wirklich, die junge Firma zu kidnappen! Sie behaupteten, wir wären nur Kunden. Es kostete Nerven, die Leute davon zu überzeugen, dass wir die wahren Inhaber waren. Nach diesen Erfahrungen entschieden wir, dass einer von uns vor Ort bleiben sollte. Bobby hatte Familie, ich war erst 24 - da war die Entscheidung eigentlich klar.

Im März 2000 hatten wir die Produktion aufgenommen, am 1. Dezember 2000 verließ der erste Container das Werk. Ein Jahr später schafften wir schon 77. 2005 produzierten wir dann ziemlich genau 850. Heute haben wir eine Kantine nach europäischem Vorbild, eine Krankenversicherung, einen eigenen Arzt, ein hohes Maß an Arbeitssicherheit, Arbeitskleidung, Familienkonten und Busse, die unsere Leute zur Arbeit bringen. Vor allem aber Qualitätsstandards, die ihresgleichen suchen. Derzeit planen wir den Bau eines neuen, noch größeren Werks, um Schritt halten zu können mit der Nachfrage.

Vieles war ganz einfach: „Learning by Doing" und harte Arbeit, oft an sieben Tagen in der Woche. Es steht ja in keinem Buch, wie man eine Fabrik aus dem Nichts aufbaut. Unser Optimismus wird uns immer helfen. Wir haben es nur wegen unserer Mitarbeiter und des Teamgeists geschafft.«


| Link Website: dedon
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